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Elektra in Zürich: Richard Strauss’ Musik des unstillbaren Rachedursts

Am 22. November 2026 feiert Richard Strauss’ Elektra Premiere am Opernhaus Zürich. Regisseurin Lydia Steier richtet den Blick auf eine Frau, deren Leben von der Ermordung ihres Vaters beherrscht wird. Lorenzo Viotti dirigiert die hochgespannte Partitur, in der die finnische Sopranistin Miina-Liisa Värelä erstmals in Zürich die Titelrolle übernimmt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Das Opernhaus in Zürich
Das Opernhaus in Zürich | © Dominic Büttner

Mainz/Zürich - Ein ermordeter Vater, eine Familie im Bann der Schuld und eine Tochter, deren Leben ganz auf Rache ausgerichtet ist: Richard Strauss’ Elektra zeigt eine Welt, in der die Gewalt der Vergangenheit jede Gegenwart beherrscht. Am 22. November 2026 feiert die Oper am Opernhaus Zürich Premiere. Lydia Steier führt Regie, Lorenzo Viotti dirigiert. Die finnische Sopranistin Miina-Liisa Värelä gibt als Elektra ihr Zürcher Debüt.

Agamemnon, König der Atriden, wurde nach seiner Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth ermordet. Elektra hält die Erinnerung an den Vater wach und wartet auf ihren Bruder Orest, von dem sie die Vergeltung erwartet. Ihre Schwester Chrysothemis dagegen sehnt sich nach einem Leben jenseits von Angst und Gewalt. Die beiden Frauen verkörpern gegensätzliche Überlebensstrategien: Elektra klammert sich an die Rache, Chrysothemis sucht einen Ausweg.

Strauss verdichtet diesen Konflikt zu einem einzigen, rund hundertminütigen Opernakt von außergewöhnlicher Intensität. Scharf konturierte Rhythmen, abrupte Stimmungswechsel und ein gewaltiger Orchesterapparat spiegeln Elektras innere Anspannung. In ruhigeren Momenten tritt hinter ihrer Härte die Trauer um den Vater hervor. Die Musik macht den psychischen Ausnahmezustand unmittelbar erfahrbar und stellt zugleich höchste Anforderungen an die Stimmen, die sich gegen die orchestrale Wucht behaupten müssen.

Miina-Liisa Värelä hat sich im dramatischen Repertoire profiliert. Zu ihren bisherigen Rollen zählen die Färberin in Strauss’ Die Frau ohne Schatten, Isolde in Wagners Tristan und Isolde und Elektra am Landestheater Linz. In Zürich muss sie die extreme vokale Kraft der Titelpartie mit deren emotionaler Verletzlichkeit verbinden. Denn Elektras Tragödie liegt nicht allein in ihrem Rachedurst, sondern auch darin, dass die Erinnerung an den Vater ihr keinen anderen Lebensinhalt mehr lässt.

Lydia Steier kehrt mit Elektra nach ihrer Zürcher Inszenierung von Strauss’ Der Rosenkavalier an das Haus zurück. Auf die gesellschaftlichen Konventionen und den melancholischen Abschied der früheren Oper folgt nun deren düsteres Gegenstück: eine Familie, deren Ordnung durch Mord und Schuld zerstört ist. Steier interessiert sich für Stoffe, in denen persönliche Beziehungen mit größeren Machtstrukturen verflochten sind. In Elektra treffen der Rachewunsch der Titelheldin, Klytämnestras Angst und Chrysothemis’ Sehnsucht nach Freiheit aufeinander.

Die musikalische Leitung übernimmt Lorenzo Viotti, designierter Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich. Strauss’ Partitur verlangt äußerste Präzision und einen langen dramatischen Atem. Zwischen eruptiven Ausbrüchen und Momenten trügerischer Ruhe muss sich ein Spannungsbogen entfalten, der die unterschiedlichen seelischen Zustände der Figuren hörbar macht.

Neben Värelä singt Sara Jakubiak die Chrysothemis, Tanja Ariane Baumgartner die Klytämnestra. Gábor Bretz übernimmt die Partie des Orest, John Daszak jene des Aegisth. Die weiteren Vorstellungen finden am 26. November sowie am 2., 5., 10., 13. und 16. Dezember statt.

Das Libretto von Hugo von Hofmannsthal nach Sophokles machte aus dem antiken Mythos ein modernes Drama über Trauma, Erinnerung und Gewalt. Am Ende mündet Elektras ersehnte Vergeltung nicht in Befreiung. Sie ist von der Gewalt, die sie bekämpft, so vollständig geprägt, dass ihr kein Weg zurück ins Leben bleibt. In dieser Ausweglosigkeit entfaltet Strauss’ Oper ihre erschütternde Kraft.

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