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18. Oktober 2026

Mozart in Wien: Wenn Sänger und Schauspieler dieselbe Figur verkörpern

An der Wiener Staatsoper kehrt Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail in einer Inszenierung von Hans Neuenfels auf die Bühne zurück. Das Besondere der Produktion: Jede Gesangsrolle wird durch eine Schauspielerin oder einen Schauspieler gespiegelt. So entsteht ein Musiktheater, das nicht nur von Belmontes Suche nach Konstanze erzählt, sondern auch davon, wie Gefühle, Gedanken und innere Konflikte auf der Bühne Gestalt annehmen.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Wiener Staatsoper
Die Wiener Staatsoper | © Fotolia TTstudio

Mainz/Wien - Ein Mann sucht seine von Seeräubern entführte Verlobte und gerät dabei in die Macht des Bassa Selim. In Die Entführung aus dem Serail stellt Wolfgang Amadeus Mozart Liebestreue, Angst und Mut der Frage nach Menschlichkeit und Großzügigkeit gegenüber. An der Wiener Staatsoper ist Hans Neuenfels’ Inszenierung am 21. und 23. Oktober 2026 wieder zu sehen. Constantin Trinks dirigiert.

Das Besondere der Produktion ist die Verdoppelung der Figuren: Neben den Sängerinnen und Sängern treten Schauspielerinnen und Schauspieler auf, die dieselben Rollen verkörpern. Konstanze, Blonde, Belmonte, Pedrillo und Osmin erscheinen dadurch in zwei Ausdrucksformen zugleich. Gesang und gesprochenes Wort stehen nebeneinander und machen unterschiedliche Ebenen des inneren Erlebens sichtbar. Neuenfels untersucht so, wie sich Gefühle und Konflikte durch Musik, Sprache und körperliche Präsenz unterschiedlich vermitteln lassen.

Das 1782 in Wien uraufgeführte Singspiel zählt zu Mozarts frühen großen Erfolgen. Es verbindet gesprochene Dialoge mit Arien und Ensembles, in denen sich die Charaktere musikalisch profilieren. Konstanzes „Martern aller Arten“ gehört zu den anspruchsvollsten Koloraturarien des Repertoires: Virtuose Beweglichkeit trifft auf dramatische Entschlossenheit. Osmins tiefe Basspartie bildet dazu einen markanten Kontrast und verbindet komische Schärfe mit bedrohlicher Energie.

Im Zentrum der Handlung steht die Befreiung Konstanzes, ihrer Dienerin Blonde und der beiden Männer Belmonte und Pedrillo. Der Bassa Selim verfügt über ihre Freiheit, entscheidet sich am Ende jedoch gegen die erwartete Vergeltung. Seine Großzügigkeit wird zum moralischen Wendepunkt des Stücks. Mozart gestaltet diesen Schluss nicht als einfache Versöhnung, sondern lässt die unterschiedlichen Temperamente und Konflikte der Figuren musikalisch nebeneinander bestehen.

Nikola Hillebrand singt Konstanze, Ilia Staple die Blonde, Sebastian Kohlhepp den Belmonte, Matthäus Schmidlechner den Pedrillo und David Steffens den Osmin. Marcus Bluhm übernimmt die Sprechrolle des Bassa Selim. Die Schauspielpartien spielen Katharina Pichler, Fabia Matuschek, Christian Natter, Ludwig Blochberger und Wolfram Rupperti. Bühne und Kostüme stammen von Christian Schmidt und Bettina Merz.

Mit der doppelten Besetzung rückt Neuenfels die inneren Widersprüche der Figuren in den Mittelpunkt. Mozarts Singspiel erzählt von einer Befreiung, die nicht allein durch Entschlossenheit gelingt, sondern auch durch den Verzicht auf Rache. Die Inszenierung gibt diesem Gedanken eine zusätzliche theatrale Dimension: Sie zeigt die Menschen nicht nur in ihrem Handeln, sondern auch in den widersprüchlichen Gefühlswelten, die dahinterliegen.