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18. Oktober 2026

„Pique Dame“ in Berlin: Wenn der Traum vom Reichtum zur Obsession wird

Arsen Soghomonyan gibt an der Deutschen Oper Berlin sein Hausdebüt als Hermann in Tschaikowskys „Pique Dame“. An seiner Seite kehrt Doris Soffel als geheimnisvolle Gräfin zurück. Kirill Karabits dirigiert Sam Browns Inszenierung eines Musikdramas, in dem die Hoffnung auf drei gewinnbringende Karten in eine tödliche Spirale aus Ehrgeiz, Liebe und Wahnsinn führt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

PIQUE DAME von Pjotr I. Tschaikowskij, Deutsche Oper Berlin
PIQUE DAME von Pjotr I. Tschaikowskij, Deutsche Oper Berlin | © Marcus Lieberenz

Mainz/Berlin - Ein Kartengeheimnis verspricht Reichtum und wird zum Verhängnis. In Pjotr Tschaikowskys Pique Dame steigert sich Hermann in die Vorstellung hinein, mit drei geheimnisvollen Karten jedes Vermögen gewinnen zu können. An der Deutschen Oper Berlin übernimmt Arsen Soghomonyan die Rolle erstmals an diesem Haus. Die Wiederaufnahme von Sam Browns Inszenierung steht am 1., 4., 7. und 13. November 2026 auf dem Spielplan. Kirill Karabits dirigiert.

Nach einer Erzählung Alexander Puschkins zeichnet die Oper eine Gesellschaft, in der Geld und Herkunft über Lebensmöglichkeiten entscheiden. Hermann liebt Lisa, glaubt aber, ihrer gesellschaftlichen Stellung nur durch Reichtum entsprechen zu können. Deshalb versucht er, das Geheimnis ihrer Großmutter, der Gräfin, zu ergründen. Seine Hoffnung auf einen Ausweg wird zur Obsession: Je stärker er sich auf die Karten fixiert, desto mehr verliert er den Blick für Lisa und die Wirklichkeit.

Doris Soffel kehrt als Gräfin in die Produktion zurück. Ihre Figur verbindet den Glanz einer vergangenen Epoche mit einem Geheimnis, das Hermann um jeden Preis entschlüsseln will. Zwischen der älteren Frau, die ihr Wissen bewahrt, und dem jungen Mann, der den Zufall beherrschen möchte, entsteht eine beklemmende Spannung. Das Kartenspiel wird zum Sinnbild einer Welt, in der der Wunsch nach Sicherheit in den Versuch umschlägt, das Schicksal zu kontrollieren.

Tschaikowskys Musik zeichnet Hermanns Abstieg mit scharfen Kontrasten zwischen lyrischer Innigkeit und dramatischer Zuspitzung. Auf gesellschaftliche Szenen folgen Momente psychischer Zerrüttung, in denen sich die äußere Handlung und Hermanns innere Welt zunehmend überlagern. Unter Karabits’ Leitung entfaltet das Orchester der Deutschen Oper Berlin die farbenreiche Partitur, die den Weg von der Hoffnung in die Katastrophe musikalisch nachvollzieht.

Elena Guseva singt Lisa, Dean Murphy übernimmt die Partie des Fürsten Jeletzki, der ihr eine gesicherte Zukunft bieten könnte. Alexey Markov ist als Graf Tomski zu hören. Die Figuren stehen für unterschiedliche Antworten auf Liebe, gesellschaftlichen Druck und persönliche Verantwortung – doch Hermanns Besessenheit lässt keinen Ausweg mehr zu.

Mit der Wiederaufnahme kehrt eine Produktion auf den Spielplan zurück, die 2024 an der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte. Soghomonyans Hausdebüt als Hermann und Soffels Rückkehr als Gräfin geben Tschaikowskys Musikdrama neue personelle Konturen. Am Ende wird Hermann nicht zum Gewinner, sondern zum Opfer seines eigenen Versuchs, den Zufall zu bezwingen. Pique Dame erzählt von einem Wunsch, der jede Grenze überschreitet und schließlich alles zerstört.