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König Artus vor dem Ende: Ernest Chaussons seltene Oper kommt erstmals nach Frankfurt

Die Oper Frankfurt nimmt am 8. November 2026 Ernest Chaussons Le roi Arthus erstmals in ihren Spielplan auf. In der spätromantischen Oper zerbricht die Idee einer gerechten Herrschaft an der Affäre zwischen Königin Genièvre und Lancelot. Thomas Guggeis dirigiert, Manuel Schmitt inszeniert; Domen Križaj singt den König, Magdalena Hinterdobler die Königin und Thomas Blondelle den Ritter Lancelot.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Frankfurter Oper
Die Frankfurter Oper | © Wolfgang Runkel

Mainz/Frankfurt - Der Runde Tisch steht für Gleichheit und gegenseitiges Vertrauen. Doch in Ernest Chaussons einziger Oper Le roi Arthus scheitert König Artus gerade an den Menschen, die seine Ordnung tragen sollen. Lancelot, sein engster Gefährte, liebt Genièvre, die Frau des Königs. Als der Verrat offenbar wird und Mordred nach der Macht greift, zerbricht das Reich von innen. Die Oper Frankfurt zeigt das selten gespielte Werk ab dem 8. November 2026 erstmals in ihrer Geschichte. Manuel Schmitt führt Regie, Thomas Guggeis übernimmt die musikalische Leitung.

Chausson arbeitete über Jahre an der Oper, für die er auch das Libretto schrieb. Die Uraufführung fand 1903, vier Jahre nach seinem Tod, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel statt. Aus dem Artus-Mythos formte der Komponist keine Ritterromanze, sondern eine Tragödie über den Zusammenbruch einer politischen und moralischen Ordnung. Arthus muss erkennen, dass nicht allein äußere Gegner sein Reich bedrohen: Persönliche Schuld, unerfüllte Liebe und Machtgier zerstören die Gemeinschaft, die er schaffen wollte.

Musikalisch steht Le roi Arthus zwischen Wagner und französischer Spätromantik. Chausson übernimmt die weit gespannte Harmonik und den durchkomponierten dramatischen Fluss des Musikdramas, verbindet sie aber mit einer eigenständigen Suche nach Klangfarben. Das Orchester zeichnet die Spannungen zwischen Arthus’ Idealismus, Lancelots Schuld und Genièvres Verzweiflung nach. Die Oper entfaltet sich in drei Akten und sechs Bildern; in Frankfurt dauert die Aufführung rund dreieinhalb Stunden einschließlich zweier Pausen.

Thomas Guggeis dirigiert das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Als Generalmusikdirektor des Hauses widmet er sich einer Partitur, die spätromantische Klangfülle mit fein abgestuften Farben verbindet. Manuel Schmitt inszeniert, Bernhard Siegl gestaltet die Bühne und Raphaela Rose die Kostüme.

Domen Križaj übernimmt die Titelrolle und kehrt nach sechs Jahren im Frankfurter Ensemble als Gast an das Haus zurück. Magdalena Hinterdobler singt Genièvre, Thomas Blondelle den Lancelot und Erik van Heyningen den machtbewussten Mordred. In diesen vier Figuren verdichten sich die Kräfte, an denen die Tafelrunde zerbricht: Arthus hält an seinem Ideal fest, Genièvre sucht einen Ausweg aus ihrer Bindung, Lancelot stellt die Liebe über seine Loyalität, und Mordred nutzt die Krise für seine eigenen Ambitionen.

Als Merlin das Ende der Tafelrunde voraussieht, wird aus dem privaten Verrat eine politische Katastrophe. Lancelot zerbricht an seiner Schuld und sucht den Tod in der Schlacht; Genièvre nimmt sich das Leben. Arthus vergibt seinem sterbenden Freund, bevor er in einer Schlussvision nach Avalon entrückt wird. Die Versöhnung kommt zu spät, um das Reich zu retten.

Die Frankfurter Erstaufführung entsteht in Koproduktion mit dem Nationaltheater Prag. Nach der Premiere am 8. November folgen Vorstellungen am 14., 27. und 29. November sowie am 3., 12. und 16. Dezember 2026.

Le roi Arthus erzählt vom Scheitern einer Gemeinschaft, deren Ideale stärker sind als die Menschen, die sie verwirklichen sollen. Arthus verliert sein Reich nicht, weil ihm eine Vorstellung von Gerechtigkeit fehlt, sondern weil Vertrauen, Loyalität und persönliche Freiheit miteinander in Konflikt geraten. In dieser Spannung zwischen moralischem Anspruch und menschlicher Schwäche liegt die anhaltende Kraft von Chaussons selten gespieltem Musikdrama.

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