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Wagners „Ring“ in London: Barrie Koskys Tetralogie kommt 2027 erstmals als kompletter Zyklus auf die Bühne

Vier Opern, vier Abende und ein musikalischer Bogen vom Raub des Rheingoldes bis zum Untergang der Götter: Die Royal Opera in London führt im Herbst 2027 erstmals Barrie Koskys gesamte Inszenierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen als geschlossenen Zyklus auf. Jakub Hrůša dirigiert das Mammutwerk, in dessen zentralen Partien unter anderem Christopher Maltman, Elisabet Strid und Andreas Schager zu erleben sind. Das Projekt führt eine seit 2023 entwickelte Produktion zusammen und markiert einen wichtigen Moment für den neuen Musikdirektor des Hauses.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Das Royal Opera House in London© Will Pearson, courtesy of the Royal Opera House
Das Royal Opera House in London

Mainz/London - Ein Ring aus geraubtem Gold setzt eine Welt in Bewegung, in der Macht, Besitz und gebrochene Versprechen schließlich alles zerstören. Richard Wagners Der Ring des Nibelungen erzählt von Göttern, Riesen, Zwergen und Menschen, deren Schicksale durch ein Geflecht aus Verträgen und Begierden miteinander verbunden sind. Im Herbst 2027 führt die Royal Opera in Covent Garden erstmals alle vier Teile in Barrie Koskys Inszenierung zu einem vollständigen Zyklus zusammen. Zwischen dem 4. Oktober und dem 1. November stehen vier Zyklen auf dem Spielplan, jeweils mit Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung innerhalb einer Woche.

Die Produktion ist über mehrere Spielzeiten gewachsen: Das Rheingold hatte 2023 Premiere, die weiteren Teile folgten schrittweise. Nun wird aus den einzelnen Abenden ein zusammenhängendes Theaterereignis. Was mit Alberichs Raub des Rheingolds beginnt, entfaltet sich über Generationen zu einer Katastrophe, die schließlich auch die Götterwelt erfasst. Kosky richtet den Blick auf die psychologischen Konflikte hinter dem mythologischen Geschehen. Die Ausstattung stammt von Rufus Didwiszus, die Kostüme von Victoria Behr.

Am Pult steht Jakub Hrůša, Musikdirektor der Royal Opera. Während Antonio Pappano die einzelnen Teile musikalisch geleitet hat, übernimmt Hrůša nun den gesamten Zyklus. Eine zentrale Rolle spielt dabei Wagners Leitmotivtechnik: Wiederkehrende musikalische Motive verbinden Figuren, Gegenstände und Ideen über viele Stunden hinweg. Das Orchester wird so zum Gedächtnis des Dramas, erinnert an frühere Schwüre und kündigt Konflikte an, lange bevor sie sich auf der Bühne erfüllen.

Auch die Besetzung vereint Sänger aus den bisherigen Produktionen. Christopher Maltman singt Wotan in Das Rheingold und Die Walküre, Elisabet Strid verkörpert Brünnhilde und Andreas Schager übernimmt die Titelrolle in Siegfried. Natalya Romaniw ist als Sieglinde zu hören, Stanislas de Barbeyrac als Siegmund. Die Rollen verlangen nicht nur enorme vokale Ausdauer, sondern auch die Fähigkeit, Figuren über mehrere Opern hinweg weiterzuentwickeln: Wotans Macht gerät ins Wanken, Siegfried wächst in seine Heldenrolle hinein, und Brünnhilde löst sich zunehmend aus der Ordnung, der sie einst diente.

Der Zyklus umfasst rund 15 Stunden Musik, verteilt auf vier Aufführungen innerhalb einer Woche. Das Rheingold dauert etwa zweieinhalb Stunden ohne Pause; Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung dauern jeweils mehr als fünfeinhalb Stunden einschließlich der Pausen. Die Dimension gehört zum Konzept des Werks: Einzelne Szenen und musikalische Motive erschließen sich oft erst im Zusammenhang mit Ereignissen, die Stunden zuvor ihren Ausgang genommen haben.

Der Londoner Zyklus fällt in ein besonderes Wagner-Jahr. 2026 jährt sich die erste vollständige Aufführung der Tetralogie in Bayreuth zum 150. Mal. Seitdem gilt der Ring als einer der großen Prüfsteine des Opernbetriebs – durch seine musikalischen Anforderungen ebenso wie durch die Verbindung von Mythos, Theater und weit gespannter Dramaturgie. In London wird nun erstmals die gesamte Architektur von Koskys über mehrere Jahre entstandener Deutung erfahrbar.

Die vier Zyklen laufen vom 4. bis 10., vom 11. bis 17., vom 18. bis 24. Oktober sowie vom 25. Oktober bis zum 1. November 2027. Der allgemeine Vorverkauf beginnt am 17. März 2027. Jeder Zyklus führt vom Raub des Goldes bis zum Untergang Walhalls und zur Rückkehr des Rings in den Rhein – und macht hörbar, wie aus einer einzelnen Tat eine Katastrophe für eine ganze Welt erwächst.

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